Das „Bunte Herbstatelier“ des Karl-Trautmann-Archivs
im Oktober 2009

Das Projekt des „Bunten Herbstateliers“ war von der Idee geprägt, das vorwiegend durch die Schulen bereitgestellte Bildungsangebot für Kindern speziell im künstlerisch-kulturellen Bereich auszubauen. Mit diesem Vorhaben der Kester-Haeusler-Stiftung soll die Rezeption regionaler Kultur mit dem eigenen kreativen Schaffen verbunden und so der Zusammenhang von Wissen, Wahrnehmung und Erleben, Inspiration und eigenem Ausdruck bei Kindern gefördert werden.

Teilnehmer des Projektes waren die Klassen 2a, 2b, 2c und 4a der Grundschule am Niederbronner Weg in Fürstenfeldbruck.

Die Schülerinnen und Schüler konnten in einer kleinen Führung durch die Haeusler-Villa in der Dachauerstraße das ehemalige Wohnhaus der Stiftungsgründerinnen, Mirjam und Gabriele Haeusler, kennenlernen. Außerdem erhielten sie einen Einblick in das Leben und Werk Karl Trautmanns, des „späteren Bildchronisten“ Fürstenfeldbrucks und Freundes der Familie Kester-Haeusler.

Eines der herausragendsten Gemälde aus dem Frühwerk Trautmanns „Clyvia im Lampenlicht“ von 1929 war ebenso wie andere Bilder, die oft den ursprünglichen Zustand der Wohnräume in der Villa zum Inhalt haben, zu bestaunen. Danach stand der Garten der Stiftung für die Schülerinnen und Schüler als „Atelier“ zum Zeichnen und Malen offen. Die Kinder waren hierbei zum freien Gestalten mit herbstlichen Naturmaterialien beziehungsweise herbstlicher Kulisse angeregt; die zuvor gesehenen Kunstwerke im Haus sollten ihnen dabei als Inspirationsquelle dienen.

Der Herbst ist die Jahreszeit, die durch zahlreiche Veränderungen in der Natur, Wettererscheinungen wie Nebel, Regen und dunkle Wolken, aber auch Sonne, gereifte Früchte, Kastanien und Herbstblumen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Es wird vom "Maler Herbst" gesprochen, der Bäume, Büsche und Gräser in gelb-orange-rot-braune Farben taucht. Wenn sich die Blätter langsam färben, wird das gewohnte Grün zu einem bunten Farbenspiel. Farbliche Abstimmungen und Kombinationen der individuellen Herbstfarben konnten so "studiert" und untersucht werden. „Fundstücke" aus der Natur boten sich an, um sich den jahreszeitlichen Wandlungen kreativ zu nähern und damit frei zu experimentieren.

Zufällige, spontane und  fantasievolle Bildsituationen wurden von den Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichster Weise gestaltet und äußerst kreativ und jeweils einzigartig zu Papier gebracht. Trotz der herbstlichen Wetterschwankungen machte es den Kindern großen Spaß den Garten frei zu nutzen. Zum Abschluss und vor allem zur Anerkennung erhielt jedes Kind für sein geschaffenes „Kunstwerk“ einen kleinen Preis. Denn gerade in der Kunst sind jenseits von „falsch“ oder „richtig“ viele Perspektiven, Darstellungen und Deutungen möglich, vor allem aber auch wichtig.

In engem Kontakt mit den Verantwortlichen der Fürstenfeldbrucker Schulen möchte das Trautmann-Archiv der Kester-Haeusler-Stiftung sein diesjähriges Herbst-Projekt auch für die Zukunft weiter ausbauen.
 

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen
Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

Friedrich Hölderlin, 15.11.1759
 

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