Sammlung Greim-Schwemmle

Walter von Bongé - Leben und Werk

Das Stifter-Ehepaar während der Ausstellungseröffnung im Brucker Stadtmuseum.Die bisher von dem mit der Frau des Künstlers befreundeten Ehepaar Max und Hermine Greim und in nächster Generation von deren Tochter, Erika Christl, im Familienbesitz bewahrten Werke von Walter von Bongé sind 1996 durch eine großzügige Schenkung von Walter und Erika Christl Greim-Schwemmle in das Eigentum der Kester-Haeusler-Stiftung übergegangen. Die bedeutende Sammlung ist nach einer viel beachteten Ausstellung im Jahr 1996 im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck nunmehr in den Räumen der Stiftung in der Haeusler-Villa der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

 

Walter von Bongé in Biskra/Afrika, Febr. 1902.

Als Sohn wohlhabender Eltern kam Walter von Bongé am 13. August 1868 im preußisch-schlesischen Rawitsch zur Welt. Er schlug zunächst eine traditionelle militärische Laufbahn ein, entschied sich aber 1894 für das Studium der Malerei, das er größtenteils an der Dresdner Kunstakademie absolvierte. Nach der Heirat mit seiner Cousine Ella Matthäi übersiedelte er nach München. An der international angesehenen Akademie der Bildenden Künste beschloß Walter von Bongé seine künstlerische Ausbildung und ließ sich als finanziell unabhängiger Kunstmaler nieder. In München lebte und arbeitete der Maler bis zum Ersten Weltkrieg, in dem er am 16. Juli 1916 den Tod fand.
Bongé war Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft, der größten und etabliertesten Ausstellungsvereinigung der Stadt unter dem Vorsitz des »Malerfürsten« Franz von Lenbach.

 

Seit 1899 beteiligte sich Walter von Bongé an den großen Kunstausstellungen, die jährlich von der Künstlergenossenschaft veranstaltet wurden. Bis 1908 war der Maler siebenmal im Glaspalast vertreten. 1904 nahm Bongé an der großen Kunstausstellung in Berlin teil und 1907 zeigte er auch in Düsseldorf eines seiner Werke. Hinweise für die Teilnahme an weiteren Ausstellungen fehlen. Da Bongé nie auf den Verkauf seiner Werke angewiesen war und keine Rücksicht auf die Gesetze des Kunstmarktes nehmen musste, war sein Interesse an einer regelmäßigen Ausstellungstätigkeit eher gering. In dieser Tatsache dürfte auch der Grund zu suchen sein, dass heute nur eine begrenzte Anzahl von Werken Bongés bekannt ist.

Die umfassende kunsthistorische Einordnung und Würdigung von Künstler und Werk sind vorläufig kaum möglich. Der in der Haeusler-Villa ausgestellte Bestand erlaubt dennoch einige Rückschlüsse. Er zeigt Walter von Bongé als Maler und Zeichner vielfältiger Sujets: Märchenhaft-romantisierender Landschaften und Ortsansichten, deren nostalgischer Charme insbesondere bei den kleinformatigen Kohlezeichnungen zur Geltung kommt, und repräsentativer, detaillierter Salonporträts, die Bongés Interesse an der Wiedergabe farblicher und stofflicher Reize verraten.

 

Am Spektakulärsten wirken auf den heutigen Betrachter jedoch die großformatigen, allegorisch-dekorativen Frauenbilder Bongés. Der Maler knüpfte dabei stets an traditionelle Überlieferungen an; so ist der »Rosenduft« (um 1900) eine Reminiszenz an die weit verbreiteten Fünf-Sinne-Zyklen der Barockzeit.

Die Allegorie ist jedoch bei Bongé wie bei vielen Zeitgenossen - unter anderen etwa Max Klinger, Wilhelm Kray, C. von Marr - in erster Linie Vorwand für die Darstellung reizvoller Frauen. Seine leicht androgynen und etwas rätselhaft wirkenden Figuren entsprechen einem in dieser Zeit beliebten Frauentypus. Bongé erweist sich als Vertreter der gründerzeitlichen Malerei gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Maler wie Stuck und Böcklin den allgemeinen künstlerischen Geschmack prägten.

Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass gerade die allegorischen Frauenbilder des Malers beim kunstliebenden bürgerlichen Publikum sehr erfolgreich waren - nicht nur im Original, sondern vor allem als Kunstdruck. Wie viele Malerkollegen bot Walter von Bongé seine Werke verschiedenen Kunstverlagen an, die den wachsenden Kreis der Kunstkonsumenten mit fototechnischen Reproduktionen von »alten und modernen Meistern« versorgten.

In ihrem Status kamen diese Bilddrucke originalen Kunstwerken fast gleich. Das wohl renommierteste deutsche Unternehmen für Kunstreproduktionen, die Kunst- und Verlagsanstalt Franz Hanfstaengl, nahm einige Gemälde Bongés (z.B. »Die Trauer«) als sogenannte Pigmentdrucke im aufwendigen »Cabinetformat« in ihr Programm auf. Weitere Werke des Künstlers publizierte die Münchener Photographische Union.